Mitte März feierte das Heimatmuseum in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Franken die Premiere eines neuartigen Führungsformats. Unter dem Titel „Cool or Cringe – Mit dem Smartphone durchs Museum“ wurden Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen eingeladen, das Museum auf eigene Faust zu entdecken.
In kleinen Gruppen erkundeten die Jugendlichen die Ausstellung und wählten je ein Objekt aus, das sie besonders interessant fanden – und eines, das ihnen seltsam oder „cringe“ erschien. Beide Fundstücke hielten sie fotografisch fest. In der anschließenden gemeinsamen Besprechung entwickelte sich ein lebendiger Austausch über die ausgewählten Objekte. Einige Exponate stießen auf besonderes Interesse – darunter der kunstvoll gestaltete Schranktisch mit Solnhofener Kaltsteinplatte aus dem Jahr 1726, der einst dem Bühler Pfarrer Johann Andreas Fleischmann (1675–1755) gehörte.
Dieses einzigartige Möbelstück kombiniert die Funktion eines kleinen Schranks mit der Fläche eines Tisches. Seine herausragende Besonderheit ist die runde Platte aus fein gearbeitetem Kalkstein, die von einem umlaufenden Ring aus Buchenholz eingefasst ist – ein handwerklich aufwendiges Detail, das auf den hohen gestalterischen Anspruch des Besitzers verweist. Im Zentrum der Steinplatte ist ein Blumenkranz graviert, in dessen Mitte die Initialen „I A F“ für Johann Andreas Fleischmann zu lesen sind. Direkt darunter ist die Jahreszahl 1726 eingraviert. Die umlaufende Gravur mit Rankenwerk ergänzt das dekorative Gesamtbild in barocker Ornamentik. Der achteckige Unterbau des Möbels besteht aus einem kleinen Schrank mit einer Tür. Ursprünglich war er blau gefasst und mit weißer Blumen- und Rankenmalerei verziert – heute nur noch in Spuren sichtbar. Diese Bemalung unterstreicht den ländlich-barocken Stil des frühen 18. Jahrhunderts.
Pfarrer Johann Andreas Fleischmann war von 1713 bis 1753 in Bühl tätig und ist u.a. als kunstsinniger Geistlicher überliefert. Die umfassende Umgestaltung der Kirche und die heutige Ausstattung sind im Wesentlichen Fleischmann zu verdanken. So führte er etwa Gespräche mit dem Auerbacher Bildhauer Johann Michael Doser über die Neugestaltung des Hochaltars: Dieser aus dem Jahr 1717 stammende Altar gehört zu den schönsten Altarkompositionen Dosers. Auch ein Hinweis auf Fleischmanns ästhetisches Empfinden und die Wertschätzung für künstlerische Gestaltung.
Der Schranktisch wurde dem Heimatmuseum im Jahr 1939 von dem Landwirt Christoph Mitterer (Bahnhofstraße 1) als Schenkung überlassen. Wie das Stück ursprünglich von Bühl in Mitterers Besitz gelangte, konnte bislang nicht geklärt werden. Besonders spannend wäre nun die Frage, was Pfarrer Fleischmann wohl in einem so hochwertigen Möbelstück aufbewahrte. Diente es ihm vielleicht als privater Altar? Oder bewahrte er – ganz praktisch – einfach sein Geschirr darin auf, wie es eine Schülerin vermutete?
(c) Dr. Nicole Brandmüller-Pfeil


















