Heinz Heibers Granitplastik am Rathausplatz

Heinz Heiber Granitplastik dreiteilig

Was im Sommer von Kindern am Rathausplatz gern als Klettergerüst oder Sitzplatz zum Eisessen genutzt wird, ist eigentlich ein dreiteiliges Kunstwerk aus Granit: die oberhalb der Treppe aufragende Säule, der liegende Block und die etwas abseits platzierte runde Sockelscheibe.

Im Zuge der Rathauserweiterung wurde ein „Kunst am Bau“-Projekt ausgelobt, für das man nach längerer Entscheidungsphase und Verwerfungen den Bildhauer Heinz Heiber gewinnen konnte. Schnaittach besitzt damit ein Werk eines renommierten Künstlers, dessen Bedeutung man durchaus wahrnehmen darf. Die Granitplastik wurde im Januar 1992 vor Ort unter Mitwirkung des Künstlers aufgestellt.

Doch wer war Heinz Heiber – und was genau befindet sich da eigentlich so selbstverständlich inmitten der Freitreppe neben der Bücherei?
Heinz Heiber stammte aus Breslau und lebte in Nürnberg, wo er 2003 verstarb. Der gelernte Steinmetz und Tischler studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und ist mit Werken in vielen Städten vertreten, vor allem in sakralen Räumen und im öffentlichen Raum. In Nürnberg schuf er das „Heiber-Portal“ an St. Sebald (1988–1991), bereits 1965/67 das bronzene Taufbecken in St. Lorenz und Anfang der 1980er Jahre die expressive Bronzeplastik „Jesus, der Annehmende“ am Hans-Sachs-Platz. Weitere Arbeiten finden sich in Ansbach, Lübeck, Hannover, Osnabrück, Bochum – und eben in Schnaittach.

Für das „Kunst am Bau“-Projekt 1991 gab es einen Wettbewerb, an dem sich fünf Künstler mit Entwürfen beteiligten – darunter auch die in Kersbach und Fürth lebende Künstlerin Gudrun Kunstmann (ein Aufsatz zu ihrem Wirken in Schnaittach und Umgebung ist in Arbeit). Heinz Heiber stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Debatte. Kriterien für das Kunstwerk waren eine Standortbestimmung mit künstlerischen Mitteln, keine zu starke Vertikale und die Einhaltung des menschlichen Maßstabs. Die Jury, der auch die Architekten des neuen Rathauses angehörten, kürte den Entwurf „Liegender“ von Wolfgang Stephen aus Selb zum Sieger. Ein Beschluss des Marktgemeinderats verhinderte jedoch die Umsetzung.

Das heutige Werk von Heinz Heiber ist laut Künstler eine abstrakte Granitplastik als Gestaltungsteil der Freitreppe im Zugangsbereich des neuen Rathauses. Stilistisch steht es exemplarisch für sein gesamtes Schaffen: nicht provokativ, nicht auf Repräsentation ausgelegt, sondern geprägt von klaren, offenen Formen – ruhig, schlicht, monumental und zeitlos. Es wertet den Platz deutlich auf und zeigt Kunst, die sich selbstverständlich in den öffentlichen Raum einfügt.

© Dr. Nicole Brandmüller-Pfeil

Heinz Heiber Granitplastik dreiteilig

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