Eine Babyrassel aus Silber

Babyrassel Zwerg WMF

Die kleine Babyrassel (Schlotter) aus versilbertem Metall zeigt die stilisierte Figur eines Zwerges mit spitzer Mütze, knubbeligem Gesicht und langem Bart. Der hohl gearbeitete, runde Körper enthält eine lose Metallkugel, die beim Bewegen das typische Rasselgeräusch erzeugt. Auf der Öse am oberen Ende ist das Herstellerzeichen der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF) gut erkennbar. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein weiterer Stempel mit Buchstaben, der jedoch nicht eindeutig zu lesen ist. Möglicherweise handelt es sich um „GERMANY“, eine Herkunftsangabe, die seit 1888 für Exportprodukte nach Großbritannien verwendet wurde. Es handelt sich hierbei nicht um eine Versilberungskennzeichnung, wie sie bei anderen Objekten dieser Art üblich ist.

Das Objekt gehört in die Produktion von Kinder- und Gebrauchsartikeln, die Württembergische Metallwarenfabrik vor allem in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren in größerem Umfang herstellte. Dies lässt sich sowohl anhand der Formensprache als auch des variierenden Herstellerstempels nachvollziehen, der in dieser Zeit nicht einheitlich verwendet wurde. Silberrasseln sind seit dem 18. Jahrhundert im bürgerlichen und adligen Milieu verbreitet – sowohl als Statusobjekte als auch aufgrund der dem Material zugeschriebenen hygienischen Eigenschaften. Mit der industriellen Fertigung wurden die Formen vielfältiger (Tierdarstellungen wie Ente, Hase oder Fisch sowie Märchenszenen auf einfachen Grundformen), während Silber ein wichtiges Material für wohlhabendere Schichten blieb. Im frühen 20. Jahrhundert setzte sich zunehmend die Verwendung versilberter Objekte durch, wodurch die Stücke günstiger und breiter zugänglich wurden. Solche Objekte wurden häufig zur Geburt oder Taufe verschenkt, oft mit einer Namensgravur des Kindes.

Die genaue Einordnung des Modells ist schwierig, da die Kinderartikelproduktion von WMF nur lückenhaft durch Kataloge und zeitgenössische Quellen dokumentiert ist. Viele Varianten sind heute lediglich über Einzelstücke in Sammlungen oder im Kunsthandel bekannt. Eine Herstelleranfrage blieb ohne weiterführende Auskunft, da entsprechende historische Recherchen dort nicht mehr im Detail verfolgt werden. Das Objekt steht damit exemplarisch für eine nur fragmentarisch überlieferte, aber kulturhistorisch aussagekräftige Objektgruppe. Es spiegelt bürgerliche Vorstellungen von Kindheit im frühen 20. Jahrhundert wider, in denen Fürsorge, Hygiene und materielle Ausstattung zunehmend an Bedeutung gewannen.

Eine sichere Herkunft ist nicht nachweisbar. Ob die Rassel aus dem Besitz von Gottfried Stammler oder Lorenz Reim aus Speikern stammt, lässt sich nicht eindeutig klären, da beiden Namen auf dem Inventarblatt vermerkt wurden. Sie wurde zusammen mit einem weiteren ähnlichen Babyspielzeug aufgeführt und als „Kinderspielzeug aus der Stadt“ bezeichnet. Die frühere Datierung in das 19. Jahrhundert ist aufgrund des WMF-Stempels nicht haltbar und dürfte auf einer fehlenden Kenntnis der Herstellermarke beruhen. Wie ein ursprünglich für den Export bestimmtes Objekt nach Schnaittach gelangte, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren.

WMF Stempel

© Dr. Nicole Brandmüller-Pfeil

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